#16 – Schein. Warum Kultur nicht von außen nach innen entsteht.
Shownotes
Edgar Schein hat in seinem Modell der Organisationskultur drei Ebenen unterschieden — Artefakte, bekundete Werte, Grundannahmen. Die meiste Kulturarbeit findet auf den oberen beiden Schichten statt. Auf der dritten kommt fast niemand an. Warum genau das der Grund ist, warum so viele Marken-Initiativen, Purpose-Kampagnen und Werte-Programme am Ende hohl wirken und was der wahre Test einer Kultur ist.
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00:00:01: Das ist Purple Talks, Folge sechzehn.
00:00:05: Schein!
00:00:09: Schein – das Wort hat im Deutschen einen klaren Beigeschmack.
00:00:14: Es bedeutet dass etwas nur so aussieht Die Oberfläche die Inszenierung das was nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.
00:00:23: Sein Nicht Schein, das sprichwort kennst du vielleicht.
00:00:28: Und es gibt ein Mann namens Edgar Schein Der das wahrscheinlich treffendste Modell für Organisationskultur entwickelt hat Und sein Name passt zum Thema fast schon zugut.
00:00:39: Er hat ein Modell entwickelt, das beschreibt was Kultur in Organisationen tatsächlich ist – drei Ebenen übereinandergestapelt.
00:00:47: Genau dieses Modell erklärt warum die meisten Versuche, Kultur zu gestalten am Ende leer wirken.
00:00:56: Schein unterscheidet drei Schichten.
00:00:58: Oben die Artefakte alles was sichtbar Logos, Räume, Sprache, Rituale der Stolz auf das Team.
00:01:07: Die Dinge die jeder Besucher jede Besucherin sofort wahrnimmt.
00:01:12: Darunter die bekundeten Werte Das was die Organisation über sich selbst sagt Leitbilder, Wertesstatements wie wir handeln in Tegern Wir stehen zu unseren Leuten Schöne Sätze die in jedem Workshop an die Wand gehören Und ganz unten die Grundannahmen Nicht das was gesagt wird, sondern das was niemand mehr begründen muss weil alle schon längst danach handeln.
00:01:41: Diese unausgesprochenen Gewissheiten Was wirklich gilt wenn jemand schaut?
00:01:47: Was passiert wenn es eng wird?
00:01:49: Was die Organisation tut wenn die Erzählung schweigt.
00:01:53: Die meiste Kulturarbeit findet auf den oberen beiden Ebenen statt Werte Workshops Brand Refreshes neue Leitbilder.
00:02:03: Auf Ebene drei kommt fast niemand.
00:02:06: Und genau dort sitzt alles!
00:02:10: Wir glauben, Kultur entsteht von außen nach innen.
00:02:13: Werte werden gesetzt Leitbilder formuliert Artifakte poliert Die Hoffnung dahinter.
00:02:20: Dass sein folgt dem Schein.
00:02:22: Wenn der Schein nur überzeugend genug aufgesetzt wird Funktioniert nicht.
00:02:28: Grundannahmen folgen keinen Workshops Sie werden nicht durch Plakate geändert, sie ändern sich nur durch tatsächlich gelebte Erfahrung.
00:02:36: Durch Krisen!
00:02:36: Durch Entscheidungen unter Druck!
00:02:38: Durch das was passiert?
00:02:40: Wenn eben keiner zuschaut.
00:02:43: Der ganze Apparat der Kulturarbeit wie er heute betrieben wird arbeitet auf der falschen Ebene.
00:02:48: Er produziert Schein weil dass sein dort gar nicht erreicht werden kann.
00:02:55: Es gibt eine alte Triade die genau diese Schichtung in anderen Worten beschreibt Stolz, Ehre, Wahrhaftigkeit.
00:03:03: Das ist nicht ein zweites Modell, neben Schein.
00:03:07: Es ist die Sprache, die wir im eigenen Erleben dafür haben bevor jemand eine Theorie daraus gemacht hat.
00:03:13: Stolz ist die oberste Schicht – das Sichtbare, stolz auf die Marke, auf das Team und auf die Performance.
00:03:20: Ehre ist die mittlere Schicht, die Form, die eine Organisation für sich beansprucht wie «Wir halten unser Wort!
00:03:27: Wir handeln in Tegern».
00:03:28: Schöne Sätze, die nur tragen wenn die Schicht darunter auch Wirklich trägt.
00:03:34: Wahrhaftigkeit ist die unterste Schicht, das Verhältnis zu sich selbst was wirklich gelebt wird ohne dass es ausgesprochen werden muss.
00:03:42: Was passiert wenn die Erzählung schweigt?
00:03:45: Was ist stolz ohne Ehre?
00:03:47: Schein!
00:03:48: Was isst Ehre ohne Wahrhaftigkeit?
00:03:50: Auch schein.
00:03:52: Die Schichten lassen sich nicht von oben her bauen.
00:03:54: Wer am Stolz arbeitet ohne den Boden zu legen baut Schein.
00:04:00: Das erklärt Warum so viele Markeninitiativen und auch Purpose-Kampagnen oder Kulturprogramme der letzten Jahrzehnte am Ende holwirken?
00:04:08: Sie polieren die Artefakte, formulieren neue Werte.
00:04:12: An die Grundannahmen kommen sie nie heran!
00:04:15: Hier ist jedoch wichtig – das Problem sind nicht die Artenfakte, Kultur braucht Formen, sie braucht Sprache, Symbole, Rituale, Stolz….
00:04:26: Das Problem ist die Entkopplung wenn die Form nicht mehr Ausdruck von dem ist, was tatsächlich trägt sondern Ersatz für das, was fehlt.
00:04:36: Die Mitarbeiterin der Kunde, der Hörer merkt es nicht analytisch allerdings im Gefühl wenn die Geschichte nicht trägt und er stolz nicht passt Wenn sich die Werte nicht decken mit dem was man in Kontakt erlebt dann steht die Statik nicht Und keine Kommunikation repariert ihr dass.
00:04:56: Der wahre Test einer Kultur ist nicht der Workshop.
00:04:59: Es ist die Entscheidung, die wehtut.
00:05:02: Erst dort zeigt sich was tatsächlich gilt.
00:05:06: Die Arbeit, die wirklich etwas verändert läuft in die andere Richtung von innen nach außen.
00:05:12: erst die Wahrhaftigkeit dann die Form Dann das Sichtbare.
00:05:19: Wer bist du wenn das Marketing schweigt?
00:05:22: Wer bist Du Wenn dich keiner sieht?
00:05:25: Was dann übrig bleibt?
00:05:26: Das ist deine Kultur.
00:05:28: Alles Andere Ist Inszenierung.
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