#17 – Fehlerkultur. Warum sie meistens Komplizenschaft ist.

Shownotes

Was Kultur etymologisch eigentlich heißt — und warum drei Fehlertypen, die in der Forschung selbstverständlich sind, in der Praxis systematisch in einen Topf wandern. Eine Folge über das, was wir Kultur nennen, wenn niemand mehr unterscheidet.

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00:00:01: Das ist Purple Talks.

00:00:04: Folge siebzehn, Fehlerkultur.

00:00:10: Fehlerkultur steht heute auf jeder Wertefolie in jedem Workshop und in zum Glück fast jedem Geschäftsbericht.

00:00:19: Schaut man kurz hin?

00:00:20: Ist es aber ein eigenartiger Begriff.

00:00:23: Kultur kommt vom lateinischen Kuläre pflegen, hegen, bebauen.

00:00:29: Kultur is nicht das was man duldet.

00:00:31: Sie iß dass was man pflegt Was zur Substanz gehört Was gewollt ist.

00:00:37: Fehlerkultur heißt also wortwörtlich eine Kultur, in der Fehler gepflegt werden.

00:00:44: Niemand sagt das so aber im Wort steckt es.

00:00:47: Es ist eine kleine Verschiebung die niemand mehr bemerkt.

00:00:52: Vor zwanzig Jahren gab es das Wort kaum.

00:00:54: Heute steht es in jeder Stellenanzeige In jedem Leitbild von mir aus auch in jeder Wertet-Charter.

00:01:01: Wir leben eine offene Fehlerkultur.

00:01:03: Das ist zum allgemeinen Platz geworden, wie flache Hierarchien oder spannende Aufgaben.

00:01:09: Was es konkret bedeutet, sagt niemand.

00:01:13: Gleichzeitig zeigen Erhebungen das Gegenteil – die Mehrheit der Führungskräfte spricht eigene Fehler nicht offen an, am wenigsten in Branchen, in denen Fehler teuer werden.

00:01:24: Das Wort steht überall?

00:01:26: Die Praxis fehlt komplett!

00:01:29: Die übliche Empfehlung, wir brauchen mehr Offenheit, mehr psychologische Sicherheit und mehr Erlaubnis zum Fehler.

00:01:40: Das verfehlt das Problem an einer entscheidenden Stelle.

00:01:43: Fehler werden so behandelt als wären sie eine Sorte – Sie sind es aber nicht!

00:01:48: Die organisationale Fehlerforschung kennt drei Typen.

00:01:52: Kritische Fehler in Sicherheit, Compliance, Finanzen.

00:01:55: Toleranz wäre hier fahrlässig Lernfehler beim Experimentieren und Prototypen.

00:02:01: Die sind systemimmanent, müssen sogar antizipiert werden.

00:02:04: Und dann noch die fahrlässigen Fehler Nachlässigkeit, Schlamperei Wiederholung ohne Erkenntnis.

00:02:11: Hier braucht es Konsequenz.

00:02:13: Wer Fehlerkultur predigt mein Typ zwei Wer sie lebt deckt oft Typ drei.

00:02:20: Das Wort Kultur macht das nämlich möglich.

00:02:23: Es legt ein Schutzversprechen über alle drei Typen und nimmt der Unterscheidungen die Schärfe.

00:02:28: Was sich Lernkultur nennt ist häufig etwas anderes.

00:02:32: Organisierte Komplizenschaft mit Wiederholung Ein Fehler passiert, wird besprochen taucht später wieder auf, wird erneut besprochen.

00:02:41: Beim dritten Mal liegt der alte Befund schon im neuen Maßnahmenplan.

00:02:45: Niemand wird zur Verantwortung gezogen weil ja alles Lernen war.

00:02:51: Eine Wiederholungen die nicht zur Korrektur führt Ist keine Wiederholing.

00:02:55: Sie ist eine Entscheidung gegen die Korrektor.

00:03:00: Komplizenschaft meint, wer Typ zwei predigt und Typ drei duldet.

00:03:05: Er organisiert systematische Verantwortungslosigkeit und Nennsikultur.

00:03:11: Die Linie zwischen Lernfehler- und Fahrlässigenfehler lässt sich nicht ziehen ohne zu wissen wofür eine Organisation überhaupt steht.

00:03:19: Wer den Maßstab nicht hat kann nicht unterscheiden er kann nur dulden.

00:03:25: Eine Organisation die so dulden muss lernt dabei nicht Sie absorbiert.

00:03:33: Eine Kultur, die Fehler nicht unterscheidet pflegt die Wiederholung und nennt es Lernen.

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